Interview: Morlockk Dilemma
An dieser Standard-Frage zu Beginn führt kein Weg vorbei ? wer bist du und was machst du? Stell dich doch bitte kurz vor.
Hi, ich nenne mich Morlockk Dilemma und bin 26 Jahre alt. Ich mag Lesen, Schwimmen und bastel Origami aus Telekomaktien. Darüber hinaus kennen mich die Leute als Rapper und Beatschmied aus der Galaxis der Unbeugsamen. Ich arbeite seit 10 Jahren an meinem Monumentalwerk, bisher sind knapp 10 Projekte entstanden, unter Anderem 3 Solo-Alben und 1 Kollabo-Album mit V-Mmann aus Berlin. Mein neustes Baby heißt "Omnipotenz in d-moll" und ist die logische Fortsetzung meines bisherigen Schaffens. Der König ist tot, es lebe der König!
Ich bin vor ca. zwei Jahren durch eine Empfehlung von Roey Marquis II. auf dich aufmerksam, dazu gab es einen kostenlosen Track über einen seiner Beats als Download ? wie kam diese Verbindung denn damals zustande?
Relativ unspektakulär. Ein Kollege kannte Calo, Calo gab ihm einen Beat, der gab mir diesen Beat. Auf zauberhafte Weise gelangten meine Strophen darauf. Ursprünglich sollte das Ding auf ein Roey Marquis II-Projekt, aus dem aber nie etwas wurde. Also landete der Track auf meinem 2. Solo "Index..Finest", was sehr gut ankam. An die Geschichte des Downloadtracks kann ich mich nicht mehr erinnern. War glaub ich auch für ein Projekt geplant, wo ich die Deadline überschritten hatte. Aber es hat super gepasst. Er macht wirklich sehr geile Beats, die sehr in die Richtung gehen, was ich so mach.
Am 29.03. erscheint dein neues Album „Omnipotenz in D-Moll“. Tracklist und Snippet lassen auf einen Mix zwischen Dilemma-typischen Stories und Battle-Rap schließen ? lieg ich da richtig?
Ja irgendwie schon. Ich mein, was sind „Dilemma-typische Stories“? Es gibt Anekdoten aus meinem Leben, Selbstreflektion usw. Es werden auch sozialkritische Töne angestimmt. Es wird mit Ellbogen auf der Klaviatur des guten Geschmacks gespielt. Es wird zerstört und es wird erschaffen. Es wird gelacht und gefickt. Es sind 60 Minuten Leben.
Was verbirgt sich denn hinter „Wunderschöner Tag“ - das, was man von dir erwarten würde oder tatsächlich eine fröhliche Nummer?
Kommt drauf an, was einen fröhlich macht. Es geht um einen Amoklauf. Aber ohne großen Paukenschlag, der leise Tod steht im Vordergrund. Aber für die Kritiker: Der Track verherrlicht keine Gewalt. Es geht vielmehr darum, wie schnell alles vorbei sein kann. Es ist ein wunderschöner Tag mit azurblauem Himmel ohne ein Wölkchen, die Menschen flanieren über die Promenade, lachen unbekümmert? trotzdem könnte dieser perfekte Tag der letzte sein. Er ist eine Ode an die Vergänglichkeit. Ja, das klingt gut. Aber um ehrlich zu sein, weiß ich auch nicht, was ich mir dabei gedacht habe.
In „Bootlegdeath“ geht es um ein Thema, das vielen Leuten Kopfzerbrechen bereitet ? illegale Downloads. Was ist deine Herangehensweise an die ganze Problematik, falls es für dich eine darstellt?
Blutige Rache? Nein im Ernst, theoretisch kann man nix dagegen unternehmen. Es ist ja eigentlich eine gute Idee, dass Menschen ungehindert an Kulturgütern teilhaben können. Auch kostenlos. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, hat diese Downloadmentalität schon was Revolutionäres. Aber das Problem ist, dass dadurch die Vielfältigkeit von Musik stirbt. Es wird irgendwann keine Nischen mehr geben. Jeder wird ausgetretene Pfade gehen, Musik nach Erfolgsschema F, um wenigstens noch ein paar CDs zu verkaufen. Von daher schmerzen die Downloads gerade Indielabels. Aber wir haben uns ja auch Gedanken gemacht. Ich werde nix verraten, aber die Bootlegger werden bezahlen. Der Track ist die Warnung. Wir kriegen euch alle. Muhahahahaha
Du bist bekannt für deine zynischen, oft stark übertriebenen Texte und Inhalte ? „11.09. (Happy Birthday Dilemma)“ stellt hier sicherlich ein gutes Beispiel dar. Ich kann mir vorstellen du wirst oft von Leuten angesprochen, die entweder entsetzt sind oder deine Stilmittel garnicht als solche erkennen, ist dem so?
Nur von Redakteuren. Klar ist der Kram sick, aber das ist das Leben. Ich bin das Leben. Wenn die Leute sich davon angewidert abwenden, dann rennen sie vor dem Leben und der Welt da draußen davon. Wenn sie beginnen würden, ihr Umfeld und die Welt zu verbessern, würden meine Texte zu schnöder Science Fiction erblassen. Natürlich sind die Texte auch hart überzeichnet, aber die Botschaft bleibt. Gut, die Battlesachen mal ausgeschlossen. Die sind einfach nur widerlich. Aber auch das gehört zum Leben: Die böse Seite in jedem von uns. Und meistens sind die übelsten Lines auch die mit dem höchsten Unterhaltungswert, oder? Aber noch mal zum „11.09.“-Track: Die Geschichte entspricht der Wahrheit.
Neben inhaltlichen Sachen hebst du dich natürlich auch von der Rap-Technik sehr deutlich von der breiten Rapper-Masse ab und wirst von Journalisten und Kollegen gefeiert ohne Ende. Glaubst du, dass man in Deutschland mit eher schwerverdaulicher Musik ein Rapstar werden kann? Würdest du das überhaupt wollen?
Ich bin nicht Schuld an der Ignoranz der Masse. Es ist mir scheißegal, ob die Leute darauf klarkommen. Ich habe 10 Jahre auf die Komplexität meiner Inhalte und Technik von heute hingearbeitet. Langsam bin ich mit mir selbst zufrieden und das war das Ziel. Leute, die den selben Anspruch an Technik haben, wie ich, geben mir Respekt. Auf der anderen Seite, gibt es doch viele technisch-gute Rapper in Deutschland, z.T. auch erfolgreich.
Was rotiert bei dir privat im CD-Player? Wenn du andere Rapper hörst, ist dann für dich eine innovative Rap-Technik von großer Bedeutung oder zählen da eher andere Sachen?
Das Wichtigste ist der Flavour. Der Typ brauch nicht mal Vielfachreime, wenn er das gewisse Etwas hat. Das kann man nicht benennen. Natürlich sollte mich der Text irgendwie ansprechen. Humor und Flow sind schon sehr wichtig, aber nicht unbedingt Clownrap. Irgendwo muss auch genug Substanz sein, um sich den Kram auch noch 1 Jahr später anzuhören. Lines sind also nicht alles. Und die Beats darf man auch nicht unterschätzen. Die machen dann letztendlich das Bild rund. Momentan laufen bei mir im Player ein paar Beats von mir. Ich hör die mir 2,3 Tage hintereinander an, wenn sie mich danach nicht ankotzen, sind sie reif für 'nen Text.
Nur eine Woche nach dem Release von „Omnipotenz in D-Moll“ kann man dich mit V-Mann und vier anderen Acts auf „Borderline auf Achse“-Tour live erleben ? was kann man von eurer Live-Show erwarten? Alle nacheinander oder alle auf einmal on Stage?
Keine Ahnung. Wir fahren mit Pimpulsiv, Rasputin, Mike Fiction, Vmann, DJ D-phekt, und mir. Alle Artists haben sich bis heute noch nicht im gleichen Raum befunden. Es wird sehr spontan werden. Unterhaltsam. Irrsinnig. Vor Allem wird es ein Experiment, wie lang all diese Gestörten mit einander klarkommen. Vielleicht essen die sich ja alle gegenseitig auf, und vielleicht machen sie das live auf der Bühne. Wer weiß. Kommt vorbei und findet es raus.
Wie geht es nach der Tour weiter, arbeitest du schon an kommenden Projekten? Hast du nach dem Album „Hang zur Dramatik“ mit V-Mann im vergangenen Jahr Lust auf mehr Projekte dieser Art bekommen oder wird es jetzt erstmal bei Solo-Sachen bleiben?
Ich werde dieses Jahr noch ein 2. Kollabo-Album mit Vmann rauswerfen. Vielleicht auch noch ein Mixtape mit ihm. Aber ich fang auch schon mit dem Schreiben für ein weiteres Solo an. Dann kommen noch Samplersachen von Snuffpro. Und ich möchte dieses Jahr endlich den Ermel-Kanal durchschwimmen. Es wird nicht weniger Arbeit.
Damit wären wir mit unseren Fragen durch ? die letzten Worte gehören natürlich dir:
"Omnipotenz in d-moll", 29.Februar, snuffpro, Morlockk Dilemma, Ave Messias, vielen Dank.
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