Interview: Roey Marquis II. (Dezember 2008)

Ich denke die Vorstellung können wir uns bei dir sparen - du hast gerade 20 Jahre Hip Hop & Roey Marquis gefeiert. Gibt es einen Anfangspunkt den du genau benennen kannst, oder ist das eher eine Schätzung?

RM: Im Grunde sind es mehr als 20 Jahre. Aber ich habe 1987 als „Start“ fixiert, weil ich in dem Jahr wirklich aktiv mit dem Mixing angefangen hatte.

 

Du hast so ziemlich alle Phasen von Deutschrap bisher live miterlebt. Welche du gerne zurück haben würdest musst du sicherlich öfters beantworten ? gibt es denn Phasen, die du am liebsten übersprungen hättest?

RM: Nein. Die Erfahrungen in seiner Gesamtheit erst prägen die Realität und den Charakter eines Menschen. Daher sind alle Abschnitte wichtig gewesen, um daraus zu lernen, zu wachsen und zu entwickeln.

 

Gibt es unter den hunderten von dir produzierten Songs auf lange Sicht irgendwelche persönlichen Favoriten, die du selber noch rauf und runter hörst? Oder Zusammenarbeiten mit Künstlern, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?

RM: Das ist abhängig von meinem Befinden, welche Songs ich mir nach Jahren mal wieder anhöre. Aber meine ganz persönliche All-Time-Classic-Liste ist sehr lang, weil doch einige großartige Künstler wunderbare Momente eingefangen haben. Ich denke da an „Spiritual Combat“ mit Profan, „Schwarzer Monolith“ mit Nicodemus, „Eiszeit“ mit RAG, „0 Uhr“ mit den Stiebers und Tone, „Musiktherapie“ mit Lunafrow, ich denke da an Germ, an Jonesmann, Pal One, an MK2 mit Kabuki, an Absztrakkt, Azad...an meinen Mann Curse, mit dem die Sessions immer ein ganz besonderes Erlebnis waren.

 

Ich finde viele Künstler haben ihre besten Tracks und Verse auf deinen Releases. Kommt es vor, dass du Tracks ablehnst, weil sie dir nicht gut genug sind?

RM: Ich habe bis heute nur 3 Tracks abgelehnt - und das  hat man mir übel genommen. Sonst hat es immer gepasst.

 

Einer der legendärsten Songs ist sicherlich "Banana" von Kool Savas & Azad. Auf deren gemeinsamen Album "One" ist eine Fortsetzung des Tracks drauf, der allerdings nicht von dir produziert wurde. Das hat mich damals stark verwundert, da das Original sicherlich von den Meisten auch mit dir assoziiert wird, es war schließlich auch auf deinem Album. Wurdest du für "Banana 2" angefragt?

RM: Nein, zu „Banana 2“ hatte man mich nicht angefragt. Das hat sehr viele Fans verwundert. Man muss verstehen, dass viele Produktionen und Collabos von mir oft Konstellationen hervorbrachten und Konzepte aufgegriffen wurden. „One“ ist ein Beispiel, aber auch „Was willst du“ hatte damals viele Fans begeistert und sie forderten ein Album von Azad und Tone. Konsequenterweise kam dann ja auch „Cherubim“ auf dem Curse Album „Von Innen nach aussen“. Mich hat diese Tatsache darin bestärkt, ein gutes Gespür für außergewöhnliche Features zu haben.

 

Letztes Jahr wurde neben dem Buch auch eine DVD angekündigt, die wohl leider gestrichen wurde - warum kam es nie zur Fertigstellung und was verpassen wir dadurch?

RM: Das Konzept war im Grunde, viele Interviews von Künstlern einzuholen, mit denen ich gearbeitet hatte. Leider war es uns nicht möglich, in jede Stadt zu fahren und so baten wir die Künstler, uns Material zu schicken. Es scheiterte dann an vielen Dingen wie „Ich habe keinen Cam“ oder „Ja, mache ich nächste Woche“. Wir hatten auch kein Budget, um jemanden loszuschicken. Twister, der das Projekt betreute, kam dann auf die Idee, ein Kurzfassung zusammenzustellen. Diese, mit Curse und Götz, kann man im Netz sehen [Und zwar hier!]. Persönlich finde ich es sehr gelungen.

Das Original Footage wird vielleicht hier und da mal verwendet werden. Aber derzeit ist nichts geplant. Aber vielleicht schaffen wir es irgendwann, das Projekt wie mal angedacht, zu Ende zu führen.

 

Nun bist du ja nicht nur Musikproduzent, sondern u.a. auch DJ, wobei ich dich das letzte Mal als Live-DJ bei Italo Reno & Germany 2005 gesehen habe und auch von Club-Auftritten hat man lange nichts gelesen. Bist du in dem Bereich noch aktiv?

RM: Nein. 2005 war das letzte Jahr, in dem ich hinter den Plattentellern gestanden habe. Nach solanger Zeit, wollte ich nicht mehr nachts in verrauchten Clubs umherziehen. Ich war 18 Jahre als Deejay tätig, habe in ganz Europa gespielt und vieles erlebt. Im Club wollte ich nicht alt werden und auch nicht auf der Bühne sterben (lacht).


Eine unüberseh- bzw. hörbare Tatsache ist, dass du immer wieder kreative Talente entdeckst und förderst. Wie wirst du auf solche Ausnahmekünstler aufmerksam? Ich kann mir nicht vorstellen dass du dich bei MySpace durch irgendwelche Free-Mixtapes quälst...

RM: (lacht) Nein. Myspace ist grauenhaft, weil jeder, der einen Account hat auch von seinen Talenten überzeugt ist. F.R. wurde mir damals von Ramin und auch von Curse empfohlen, Pal One kannte ich von Empire und der Chefetage. Absztrakkt hatte ich auf seiner EP gehört und war beeindruckt. Profan droppte einen sagenhaften Verse auf „7 aus 98“ von Funky Chris. Also meist irgendwie über Ecken und dann zum passenden Moment. Wenn ich dann Songs gebastelt habe, kam mir das Gefühl „Dieser Song passt zu dem und dem“... z.B. bei „Spiritual Combat“ war es so, dass ich nur einen einzigen Beat an Profan schickte. Das habe ich oft so gemacht.

 

Kommen wir zu deinem Buch "Lebenslinien". Du hast es zusammen mit Tobias Hoeft geschrieben, wie habt ihr euch kennengelernt und warum hast du dich dazu entschlossen, mit ihm deine Biografie zu schreiben?

RM: Tobias habe ich über das Roey Marquis-Forum kennengelernt. Dort hatte er Kurzgeschichten gepostet. Sein Schreibstil hat mich gleich gepackt. Wir haben uns dann in Frankfurt getroffen, saßen am Mainufer auf einer Bank und haben uns über alles mögliche unterhalten. Daraus ist dann die Idee entstanden, das Buch gemeinsam zu schreiben.



Über welchen Zeitraum ist das Buch denn entstanden?

RM: Es hat 2 Jahre gebraucht. Ich musste vor allem erst einmal mein Leben Revue passieren lassen und im Gedächnis kramen. Einige Male habe ich Germ kontaktiert, der mir auf die Sprünge geholfen hat - das Alter (lacht). Ich habe dann Geschichten an Tobi gemailt, er hat Dinge umgeschrieben oder nachgehakt, manches haben wir im Original gelassen, anderes verworfen. Es hat großen Spaß gemacht mit ihm an dem Buch zu arbeiten.



Was genau erwartet den Leser? Die ersten Previews machen nicht den Eindruck einer gewöhnlichen Biografie.

RM: Was ist eine „gewöhnliche Biographie“?

Das Vorwort von Tobias beschreibt es gut:
„In diesem Buch wird nun seine Geschichte erzählt. Manchmal unkonventionell,
manchmal auf den ersten Blick nicht zu erschließen, aber gerade dies war unter anderem immer ein Zeichen seiner Arbeiten. Die Antwort auf die Frage nach dem Interessantheitsgrad seiner Person muss von jedem selbst entschieden werden.“

 

Welche Ziele verfolgst du denn mit dem Buch? Soweit ich weiß wirst du weiterhin Musik machen, kannst du dir vorstellen, später einen zweiten Teil zu schreiben?

RM: Ein Ziel verfolge ich nicht. Ich werde jetzt auch nicht zum Buchautor, wobei...(kurze Pause)... wir überlegen, ob wir ein Buch schreiben „Wie es wirklich wa(h)r“ (lacht).



Wie bekommt man das Buch?

RM: Nur über Shop.mingdynasty.de.

 

Was viele sicherlich zum Abschluss noch interessiert: Wie geht es musikalisch weiter? Erfährt deine "RMII + MC = LP"-Serie eine Fortsetzung? "Battle Of The Words 3" soll auch kommen?

RM:
Ein Album soll noch kommen, plus  „Selected Works“. Ansonsten ist es auch bekannt, dass ich derzeit kaum noch in der Musik tätig bin. Das, was in Deutschland präsentiert wird, gibt meinem Herzen nichts mehr.

Mein Fokus liegt auf meiner Lehrertätigkeit. Ich unterrichte in einer eigenn Schule und in der meines Lehrers Tai Chi Chuan (Schattenboxen). Nebenbei vertreibe ich original Japantee und Utensilien. Das alles macht mir großen Spaß.

 

Unter folgenden Links findet ihr weitere Infos zu Tai Chi Chuan & Grüntee:

www.shenming.de
www.yang-taichi.com
www.ochaya.de
www.endo-chaya.de

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